Frieden macht Schule Blog

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Der große Zoo

Frei denken - nicht mitlaufenPosted by Dr. Gertrud Müller 30 Jun, 2019 08:47:57

Fühlen Sie sich frei das Leben zu leben, das Sie führen möchten? Wenn ich Leuten begegne sagen Sie mir oft wie unfrei Sie sich fühlen. Warum leben wir in einer vermeintlich freien Gesellschaft so, dass sich viele Menschen unfrei fühlen? Kennen Sie das Gefühl, jetzt muss ich das tun und jetzt muss ich jenes tun, ich sollte so sein wie es erwartet wird. Oder reagieren Sie eher bockig oder genervt, wenn andere Ihnen Vorschriften machen? Warum gelingt es einigen Menschen Freiheitsgrade zu erwerben um andere zu unterdrücken und andere kuschen?
Wir können nicht frei leben, weil wir uns über die Jahrhunderte in Gesellschaften, Kulturen, Religionen und Gruppen eingesperrt haben, wie die Tiere im Zoo. Wir leben durch Status und Gesetze getrennt voneinander, wie in Käfigen. Wir leben mit Grenzen der Gesetze, mit religiösen Geboten udn Vorschriften, mit den Normen und Vorschriften der Familien, Regenten, Ärzte, Juristen, Lehrer und Schulen. Wie Wärter im Zoo bewachen sie unser inneres und äußeres Leben. Wir leben nicht in freien, wertschätzenden und achtsamen Beziehungen miteinander. Wir organisieren Beziehungen nach gesellschaftlichen Status, Hierarchie, mit Strafen und Besitz. Deshalb dürfen nur bestimmte Leute miteinander heiraten, nur bestimmte Leute dürfen Freiheitsrechte genießen und Geschäfte machen und nur bestimmte Leute dürfen ungestraft Verbrechen begehen. Der andere Teil der Menschen erscheint dazu verdammt nach den gesellschaftlichen Vorgaben und religiösen Regeln anderer leben müssen, die in der jeweilige Kultur, Gruppe, im jeweiligen Land in der jeweiligen Epoche, durch die jeweiligen Gesetze und Machthaber erlaubt sind. Wir leben weltweit nicht mit eigenem Verstand und selbstbestimmten Gefühl, sondern in erlaubten bzw. verbotenen Territorien in Ober- oder Unterschichten in Königshäusern, Slums oder sogar kriminellen Umfeldern. Menschen werden krank an und in diesen einengenden zooartigen Welten. Die Umwelt wird zerstört durch den Konsum und den Kontrollaufwand, den diese organisierten Welten erfordern. Wir betreiben einen immensen Aufwand in unserem inneren und äußeren Leben, wenn wir das gesellschaftliche Leben nach diesen hierarchischen, überlieferten Strukturen ordnen. Wir leben wie in einem großen weltweiten Zoo. Vielleicht gelingt es uns langsam immer mehr dieser Zoogrenzen zu erkennen, in andere Käfige zu schauen, Kontakt aufzunehmen zu den anderen im Zoo eingesperrten Wesen. Vielleicht gelingt es uns langsam die Zoogrenzen aufzulösen, mehr zu leben wie wir wollen statt wie wir müssen und sollen. Die ganze Welt und jeder einzelne Mensch kann heilen, wenn es uns langsam immer mehr gelingt das Leben wieder natürlich zu leben mit dem eigenem guten Gefühl und in wertschätzenden Beziehungen, in denen jeder dem andern ein gutes Leben gönnt.

Ich wünsche uns eine gute Woche und viele freie und wertschätzende Gefühle.

Gertrud Müller