Frieden macht Schule Blog

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Geburtstag & Co

Frei denken - nicht mitlaufenPosted by Dr. Gertrud Müller 30 Sep, 2018 09:55:58
Wir begehen Jahrestage öffentlich und privat: Geburtstage, religiöse und kulturelle Festtage, Kennenlern- und Hochzeitstage; es gibt Erfolgstage, Glückstage, Tage, an denen wir das Leben feiern. Und wir begehen Trauertage, Tage von Verlust, Todestage, Krankheitstage, Schreckenstage...Tage des Sterbens und des Überlebens.

Wie gut, wenn wir an diesen guten und schweren Tagen Weggefährten haben. Freunde, die uns beistehen, Familienmitglieder, die ganz selbstverständlich da sind. Manchmal erfahren wir auch Wärme und Sorge durch Fremde, die mit Nächstenliebe unterstützen. In Freud und Leid brauchen wir menschliche Unterstützung, Nähe, Wärme und Sorge. Wir sind verletzlich, gerade dann wenn wir uns nicht wohl fühlen, wenn wir traurig und hilflos sind, uns gekränkt, verletzt oder schuldig fühlen; gerade dann fällt es schwer, zu sprechen, um Hilfe oder um Vergebung zu bitten. Niemand will anderen zur Last fallen, Menschen wollen sich nicht schämen und keiner will sich von anderen beschuldigen lassen oder sich abgewertet und ausgegrenzt fühlen. Deshalb vermeiden viele Menschen Gefühle zu spüren, Gefühle offen auszusprechen; sie sagen nicht mehr, was sie bedrückt, was sie sich wünschen, was sie bewegt, was ihnen leid tut... „Es geht schon...ich wers überleben, lieber nichts riskieren, lieber nichts von Freud und Leid erzählen“
In der modernen Leistungsgesellschaft sollen wir stets leistungsfähig und gut gelaunt sein, Lebenskrise werden weggedrückt, wir müssen ja funktionieren und von den Mitmenschen hört man schnell: „stell dich nicht so an, das wird schon wieder.“ Sicher gut gemeint; Schicksalsschläge können und gegenseitig runter ziehen. Dennoch vereinsamen immer mehr Menschen in Gemeinschaften, in den verschiedenen Lebensbereichen, über die man lieber nicht spricht, in Krankheit, Verlust, im Scheitern, bei Schmerzen, Schuldgefühlen und Liebeskummer.... Manchmal fühlen sich Menschen selbst in der Anwesenheit von anderen einsam. Wir haben Wohlstand erreicht, wir verfügen über die modernste Technik, über die besten Kommunikationsmittel aller Zeiten... und dennoch verstehen wir uns oft nicht.
Vielleicht kann es uns langsam wieder gelingen Gefühle zu spüren, Gefühle als wertvolle Wegweiser anzuerkennen und miteinander zu teilen. Vielleicht finden wir dann wieder Vertrauen zueinander, Wärme und Sorge füreinander.
Ich wünsche uns allen eine gute neue Woche und viele gute Erfahrungen mit den alltägliche Begegnungen, mit lieben Weggefährten, treuen Freunden und Geborgensein in der Familie.
Gertrud Müller