Frieden macht Schule Blog

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Groß und Klein

Frei denken - nicht mitlaufenPosted by Dr. Gertrud Müller 07 Oct, 2018 00:39:10

Alle Menschen werden als kleine, unschuldige Wesen geboren. Hilflos liegen wir plötzlich in dieser fremden neuen Welt. Alles ist unbekannt, wir kennen die Sprache nicht, können uns nicht selbstständig bewegen. Wir können nicht für uns sorgen, sind den Personen ausgeliefert, die uns umgeben. Erwünschte Babys, die von glücklichen und liebevollen Betreuungspersonen umgeben sind und in einer warmen harmonischen Umgebung aufwachsen, lernen Gefühle von Liebe und Vertrauen. Werden Babys in lieblose Umgebungen hinein geboren, bei lieblosen Eltern, in Hungersnot oder Kriegsgebieten, lernen sie Misstrauen und Feindseligkeit. Es kommt nicht darauf an, in welchem Land und in welcher Kultur dies geschieht. Es sind weltweit die gleichen Phänomene. Wir begegnen auf dieser Erde liebevollen Menschen, die versuchen Liebe in die Welt zu tragen. Und wir begegnen den feindseligen Menschen, die glauben andere bekämpfen, erziehen und unterdrücken zu müssen. Ich stelle mir bei den Menschen, die mir begegnen immer die Babys vor, die sie waren. Babys, die verliebt angelächelt wurden und glücklich zurück lächelten, Babys die unterstützt, getröstet und geliebt wurden. Oder die Babys, die sich durchkämpfen mussten, durch lieblose, verzweifelte, ängstliche Blicke. Babys die kein Gefühl von Sicherheit erlebten, von Ängste gequält waren: Angst nicht zu überleben, nicht geliebt zu sein, Babys die Streit, Gewalt, Unterdrückung, Krankheit, Missbrauch und Elend erlebten. Diese Babys lernen feindselige Gefühle, sie müssen kämpfen zuerst ums eigene Überleben, später kämpfen sie in ihren Familien, in Gruppen, Staaten, Organisationen, Religionen, Armeen,....

Es wird keinen Menschen geben, der nur liebevolle Erfahrungen macht. Und kein Mensch wird überleben, der nur zerstörerische Bedingungen erlebt. So begegnen uns in allen Erwachsenen Mischformen aus liebevollen und lieblosen Persönlichkeitsanteilen. Wie hilfreich wäre es, wenn wir das anerkennen, uns nicht ständig dafür verurteilen. Ein geliebtes und geschütztes Kind wird kein Gewalttäter. Und bei Kindern, die gekränkt, geschlagen, missbraucht, terrorisiert oder zu Hochleistungsmaschinen getrimmt wurden, brauchen wir uns nicht wundern, wenn sie die Lieblosigkeit weiter geben, die sie selbst erfahren haben. Nicht die Menschen sind das Problem, sondern das lieblose Verhalten. Jedes lieblose Verhalten beginnt mit Leid und Mangel. Wir können Mangel und Lieblosigkeit bis zum Untergang kultivieren, und wir können mit Ausdauer und Geduld liebevolles Verhalten kultivieren. Jede gute Tat, jedes Lächeln, jede versöhnliche Geste, jedes Verzeihen, jede mutige Geste der Unterstützung, jede Absage an Gewalt und Zerstörung bringt uns einer liebevollen Menschheitsfamilie näher. Wir brauchen nützliche, ehrliche und wertschätzende Organisationen, Familien, die ihre Babys, Kinder und Jugendlichen lieben. Wir brauchen Erwachsene, die schwachen und alten Menschen helfen, die Tiere und Natur schützen. Wenn wir Menschen zusammenhalten und wertschätzendes, ehrliches Verhalten kultivieren, dann entstehen immer mehr liebevolle Gefühle, immer mehr freundliches Verhalten und mit Geduld und Ausdauer werden wir ein gutes Zusammenleben auf diesem Planeten erreichen.

Ich wünsche uns allen Hoffnung und Mut und eine freundliche neue Woche.
Gertrud Müller