Frieden macht Schule Blog

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Gefühle manipulieren

Frei denken - nicht mitlaufenPosted by Dr. Gertrud Müller 27 Jan, 2019 09:03:40
Wir sehen den Blitz, zeitverzögert hören wir den Donner. Unsere Augen nehmen durch die Geschwindigkeit des Lichts Sehreize viel schneller wahr als unsere Ohren den Schall. Ähnlich ist es mit dem Denken und Fühlen, wir denken an einen verlorenen Gegenstand, suchen ihn, wenn wir ihn gefunden haben sehen wir ihn. In unserem Gefühl zeigt sich jedoch ein ganz anderer Reiz, wir vermissen den Gegenstand, oder wir vermissen ihn nicht. Nur wenn wir einen Gegenstand vermissen, werden wir ihn suchen, ansonsten vergessen wir ihn. Ein anderes Beispiel: wir sehen beim Einkauf einen Gegenstand. Vermutlich prüfen wir nicht nur, ob wir uns den Gegenstand leisten können, ob er nützlich ist, wir müssen auch den Wunsch verspüren, gerade diesen Gegenstand kaufen zu wollen. Wenn wir nur mit dem Verstand entscheiden, würden wir alle vermutlich sehr ähnliche Entscheidungen treffen. Mit dem Gefühl jedoch spüren wir, ob wir Dinge, Situationen, Personen, Tiere mögen oder nicht, ob wir Angst spüren oder Sicherheit, ob sich etwas kalt oder warm, rauh oder weich anfühlt. In der Natur sind alle Gefühle wichtig damit wir uns schützen können, Nahrungsquellen erschließen, Partner finden. Wer gut fühlen kann, und diese Gefühle folgerichtig interpretieren und nutzen kann, hat bessere Überlebenschancen. Vermutlich hängt unser Leben, Überleben und unsere Lebensqualität wesentlich mehr vom Gefühl ab, als vom Denken. Wenn Menschen nicht mehr gut fühlen können, sind sie manipulier- und steuerbar und werden leichter krank. Deshalb wird in totalitären Regimen, den Menschen das eigene Gefühl aberzogen und verboten, nur mehr die Angst bleibt als Gefühl, Personen werden gehorsam handeln aus Angst. Wir glauben in einer freien Gesellschaft zu leben und spüren oft nicht mehr, was wir essen und trinken, was und hilft und gut tut, oder was uns schadet. Durch Werbung wird uns gesagt was wir essen und trinken können, welche Medikamente uns helfen, im Wahlkampf werden wir beeinflusst, wen wir wählen sollen bzw. wollen. Durch Bilder der Medien lernen wir was und Lust macht oder was wir verurteilen, worüber wir uns empören. Mit Nachrichten werden wir beängstigt oder beruhigt. Wir lernen mit der Zeit den Urteilen von anderen und der Öffentlichkeit mehr zu vertrauen als der eigenen Empfindung. Nur so ist zu erklären, dass wir kollektiv abstumpfen, wenn Tonnen von Plastik im Meer schwimmen, wenn die Luft schlechter wird, wenn zerstörerische Waffen gebaut werden, wenn Menschen in den Krieg ziehen und im Meer ertrinken, fliehen oder menschenunwürdig behandelt werden.
Wenn wir gut fühlen können, lösen all diese Erscheinungen Entsetzen in uns aus und den Wunsch diese Zustände zu verändern. Wenn wir jedoch der Beschwichtigung, dem Urteil von Megafirmen, den Bildern der Politik, der Ideologien und Medien mehr glauben als der eigenen Empfindung, dann haben wir das Gefühl: Ist alles nicht so schlimm. Die Politik und die Wirtschaft, die großen Führer werden es schon richten. Ich wünsch uns allen den Mut wieder unsere eigenen Gefühlen zu spüren und ihnen zu trauen, damit wir gemeinsam Wege finden in eine gute Zukunft für alle Lebewesen auf diesem Planenten.
Schöne Woche
Gertrud Müller