Frieden macht Schule Blog

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Das Leben spielen

Frei denken - nicht mitlaufenPosted by Dr. Gertrud Müller 03 Mar, 2019 11:07:21

Jetzt im Fasching ist es wieder so weit, die Menschen spielen Leben, werfen sich in andere Rollen, andere Kleider, versuchen andere zu verführen, betrinken sich um Spaß zu haben.
So sehr ich allen Menschen Lebensfreude gönne, so erinnert mich der Fasching auch immer wieder an Kleinkinder.
Auch kleine Kinder spielen Kaufladen, Prinzessin, Kasperltheater und versuchen so mit der Zeit die Rollen und das Theater des Lebens zu verstehen und zu spielen.
Warum spielen auch die großen Menschen im Fasching so ein Theater mit Rollenspielen?
Vermutlich, weil wir uns gern am Leben erfreuen möchten und das im Alltag sehr wenig schaffen. Die erwachsenen Rollen, die wir uns angeeignet haben sind zu eng geworden über die Jahre, zu langweilig, ausgetreten wie alte Schuhe. Wir fühlen uns eingesperrt nicht wohl in unseren oft sehr zwanghaften und angstbesetzen Rollen und wir spüren es wird sich nichts verändern, weil sich die schwerfälligen Gesellschaften kaum verändern wollen und die Einzelnen kaum Einfluss gewinnen können. Vielleicht spielen die Menschen deshalb Fasching, vielleicht versuchen sie ein freies Leben zu üben.
Die kleinen Kinder lernen durch ihre Spiele und die verschiedenen Rollen sich an unterschiedliche Rollen anzupassen.
Vielleicht wollen wir als Erwachsen lernen uns wieder aus unseren festgefahrenen Rollen zu lösen, über unsere bisherigen Rollen hinauszuwachsen, uns in andere Rollen hinein zu fühlen.
Vielleicht ist es mit dem Fasching ähnlich wie mit der Raupe und dem Schmetterling. Wenn wir unsere Raupenrollen verlassen, dann können wir spielen, bunt und frei sein. Vielleicht üben wir im Fasching nur, wie sich eine freie und bunte Gesellschaft anfühlen kann. Wie die Kinder das Erwachsen werden üben, lernen und üben Erwachsenene durch Theater, Fasching, Kino, Film eine Welt von Morgen, eine Welt die sich gut anfühlen kann. Wenn wir die heutigen kämpferischen Science fictions anschauen und die Menschen befragen so ist die Zukunft angstbesetzt.
Vermutlich ist diese Angst sogar berechtigt, weil wir spüren, dass wir in unseren alten engen Rollen und den schwerfälligen Gesellschaften nicht glücklich werden. Vielleicht tragen wir durch unseren Humor durch unsere gespielten Rollen dazu bei, dass eine neue Generation heranwachsen kann. Eine Generation, die uns zeigt, dass es auch eine andere Zukunft und andere Formen des Zusammenlebens geben kann. Vielleicht gelingt es uns eines Tages, eine Zukunft zu gestalten, die frei und bunt ist, gesund und glücklich wie wir uns das bei der Raupe vorstellen, die das Schmetterlingsdasein erreicht hat.

Eine schöne neue Frühlingswoche!

Gertrud Müller