Frieden macht Schule Blog

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unten und oben rechts und links

Frei denken - nicht mitlaufenPosted by Dr. Gertrud Müller 10 Mar, 2019 09:57:23

Wenn wir unten vor einem hohen Gebäude stehen und hinaufblicken erscheint uns die eigene Umgebung real und der Turm da oben groß und hoch, die Turmspitze wirkt klein und weit weg. Steigen wir den Turm hinauf scheint sich alles umzukehren. Die Turmspitze wird groß und real und die da Welt da unten erscheint weit weg, entrückt, klein wie eine Puppenwelt.

Ähnlich ist es mit Sommer und Winter, im Winter können wir uns kaum vorstellen wie warm und bunt der Sommer ist, er erscheint weit weg in der spürbaren Kälte. In sozialen Situationen, in denen wir uns mit anderen wohl fühlen, können wir uns kaum vorstellen, wie sich ein Streit, ein Unfall oder ein Schaden anfühlt. Wir begegnen während eines Lebens so vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Menschen immer wieder glauben wir, das was gerade geschieht ist die Realität und schon im nächsten Augenblick kann genau diese Realität eine ganz andere sein. Wenn wir nur die eine Situation als Realität erkennen, dann kann sich diese Situation wie unabändrlich und schicksalhft anfühlen.

Nicht nur die Welt und die Gestirne bewegen sich im Universum, auch wir selbst durchschreiten das Leben und verändern Form, Aussehen, Wissen, Beziehungen und Zugehörigkeiten. Erst wenn wir erkennen, dass wir selbst Wahlmöglichkeiten haben, wohin wir gehen und wie wir uns entwickeln möchten, können wir mutige und individuelle Entscheidungen treffen: wo will ich mich aufhalten? Oben oder unten in der Mitte, rechts oder links. Mit welchen Menschen fühle ich mich wohl? Welche Tätigkeit macht mir Freude. Wo möchte ich verweilen, wohin möchte ich als nächstes gehen?

Wenn wir unsere Gefühle empfinden und das Leben steuern können, dann erkennen wir das Leben ist nicht absolut, statisch und schicksalhaft; wir blicken nicht mehr neidvoll in die Höhe und sagen, die haben es gut und wir blicken nicht mehr verächtlich nach unten und sagen wie gut, dass ich hier oben bin.

Wenn wir gelernt haben, dass wir unser Leben selbst entscheiden, dann gehen wir nach oben, wenn wir eine schöne Aussicht wollen und nach unten, wenn wir unter Leuten sein möchten, aufs Land wenn wir Ruhe brauchen und in der Stadt wenn wir Lebendigkeit erleben möchten. Wir verharren nicht mehr schicksalhaft in Situationen, die uns nicht gefallen, sondern gestalten das Leben in einer wertvollen Weise. Und wenn wir das gut können, ist es nicht mehr wichtig, ob unten oder oben, rechts oder links dann können wir uns von jedem Standpunkt aus bewegen, überall ein erfülltes und ein liebevolles Leben anstreben und gestalten.
Viel Spass und gute Orientierung auf unseren Wegen durch Raum und Zeit!
Gertrud Müller Photo Dr. Madlen Wollersheim